Frauenquote in Vorständen

Ein neues Gesetz verpflichtet börsennotierte Unternehmen, den Anteil der Frauen in ihrem Vorstand bis mindestens auf ein Drittel zu erweitern. Die Verpflichtung tritt allerdings erst in sechs Jahren in Kraft, sodass die Unternehmen diese Regel in den kommenden Jahren bei der Neubesetzung ihrer Vorstandsmandate berücksichtigen können. Für nicht an Börse notierte Unternehmen gilt die Regel nicht.

Die Quotenregelung in Unternehmen ist ein häufig diskutiertes Thema. Im Jahr 2010 waren im Durchschnitt weniger als 10 % der Vorstandsmitglieder der belgischen börsennotierten Unternehmen weiblich. Eine gesetzliche Quote ist die einzige Methode, dass mehr Frauen in die erlesene Welt der Vorstände Einzug erhalten (Gesetz vom 28. Juli 2011, BS 14. September 2011).

Staatliche Unternehmen

Die Staatsunternehmen (Belgacom, bPost, Belgocontrol und die Nationallotterie) haben eine Vorbildfunktion. Ein Drittel der Vorstandsmitglieder, die sie benennen, müssen Frauen sein. Diese Quote gilt ab dem ersten Tag des Geschäftsjahres, das nach dem 14. September 2011 beginnt.

Börsennotierte Aktiengesellschaften

In den „größeren“ börsennotierten Aktiengesellschaften muss mindestens ein Drittel der Mitglieder des Vorstands aus Frauen bestehen. Ist der Anteil der Vorstandsmitglieder eines anderen Geschlechts kleiner als ein Drittel, muss das nächste Vorstandsmitglied, das ernannt wird, von diesem Geschlecht sein. Die großen börsennotierten Aktiengesellschaften erhalten eine Frist bis zum ersten Tag des sechsten Geschäftsjahres, das nach dem 14. September 2011 beginnt, um diese Quote zu erfüllen.
Ist der Anteil der Vorstandsmitglieder eines anderen Geschlechts am ersten Tag des siebenten Geschäftsjahres, das nach dem 14. September 2011 beginnt, noch kleiner als ein Drittel, dann muss die nächste Hauptversammlung einen Vorstand zusammenstellen, der diese Quote erfüllt.
Die Sanktion für die Nichteinhaltung dieser Verpflichtung ist die Aussetzung jedes Vorteils (finanziell oder anderweitig) der Vorstandsmitglieder, das mit ihrem Mandat verbunden ist. Diese Vorteile werden erst wieder zu dem Zeitpunkt gewährt, zu dem die Ein-Drittel-Quote erreicht ist.

Im ursprünglichen Vorschlag sollten alle Entscheidungen eines Vorstands, der die Quote nicht erfüllt, für nichtig erklärt werden können. Der Staatsrat betonte, dass solche Ungültigkeitserklärungen für die Unternehmen gefährlich sein können. Diese Nichtigerklärung ist durch ein System ersetzt worden, bei dem die Sitzungsgelder der Vorstandsmitglieder entzogen werden, wenn die Quote nicht eingehalten wird. Die Entscheidungen von Vorständen, die die Quote nicht erfüllen, bleiben rechtskräftig.

„Kleinere“ börsennotierte Unternehmen und börsennotierte Unternehmen, von denen weniger als 50 % der Aktien notiert sind, haben Zeit bis zum ersten Tag des achten Geschäftsjahres, das nach dem 14. September 2011 beginnt, um die Ein-Drittel-Quote zu erfüllen. Gibt es weniger Mitglieder eines bestimmten Geschlechts als die Quote verlangt, dann muss die erste darauffolgende Ernennung ein Vorstandsmitglied dieses Geschlechts sein. Eine Ernennung, die damit im Widerspruch steht, ist nichtig. Ist der Anteil der Vorstandsmitglieder eines anderen Geschlechts am ersten Tag des neunten Geschäftsjahrs, das nach dem 14. September 2011 beginnt, noch kleiner als ein Drittel, dann muss die erste darauffolgende Hauptversammlung einen Vorstand zusammenstellen, der die Quote erfüllt. Anderenfalls wird auch hier jeder finanzielle oder andere Vorteil der Vorstandsmitglieder ausgesetzt. Diese Vorteile werden erst wieder zu dem Zeitpunkt gewährt, zu dem die Ein-Drittel-Quote erreicht wird.

Erklärung in Bezug auf eine solide Unternehmensführung

Börsennotierte Unternehmen sind verpflichtet, in ihrer Erklärung in Bezug auf die solide Unternehmensführung, die im Geschäftsbericht aufgenommen ist, eine Übersicht über die von ihnen ergriffenen Maßnahmen zu geben, die dafür sorgen, dass sie die Ein-Drittel-Quote erzielen und damit die Geschlechtervielfalt garantieren.

Nichtbörsennotierte Unternehmen

Nicht an der Börse notierte Unternehmen brauchen diese Verpflichtung nicht zu erfüllen.
Das Neutrale Syndikat für Selbständige befragte 714 nichtbörsennotierte KMU über dieses Thema. In 67 % dieser Unternehmen sind ein oder mehrere Frauen im Vorstand vertreten. Ein Fünftel der Unternehmen gibt an, dass Frauen in der Betriebsleitung notwendig seien, weil sie andere Akzente legen, und 89 % findet eine Mischung aus Frauen und Männern im Vorstand bereichernd. Wichtiges Fazit: nicht das Geschlecht zählt, sondern die Kenntnisse und die Erfahrung. 81 % der KMU sind deshalb gegen die gesetzliche Quote eines obligatorischen Anteils von Frauen im Vorstand.

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