Steuerermäßigung für energiesparende Ausgaben: Übertrag auf folgende Jahre

Die neue Regierung hat eine ganze Reihe der Steuerermäßigungen für energiesparende und umweltfreundliche Investitionen abgeschafft. Wenn Sie jedoch noch über einen 'Überschuss' aus solch einer Steuerermäßigung verfügen, weil Sie diese in den vergangenen Jahren nicht vollständig nutzen konnten, können Sie diese auch jetzt noch auf die kommenden Jahre übertragen.

Zur Erinnerung: Welche Investitionen kommen für eine Steuersenkung in Betracht?

Rufen wir uns kurz in Erinnerung zurück: Nur die Steuerermäßigung für Ausgaben für die Dämmung von Dächern bleibt auch im Jahr 2012 bestehen (allerdings von 40 % auf 30 % gesenkt); für die anderen energiesparenden Investitionen, die 2012 getätigt werden, gilt die Steuerermäßigung nur, wenn der entsprechende Vertrag vor dem 28. November 2011 abgeschlossen worden ist.

Was ist ein 'Überschuss'?

Für Investitionen im Jahr 2011 haben Sie Anspruch auf eine Steuerermäßigung in Höhe von 40 % der wirklich bezahlten Ausgaben. Die Summe der verschiedenen Steuersenkungen für dasselbe Jahr und für dieselbe Wohnung darf jedoch niemals mehr als 2.000 Euro betragen (Grundbetrag, für dieses Einkommensjahr lautet der indexierte Betrag 2.930 Euro). Wenn 40 % Ihrer Investition mehr als 2.930 Euro betragen, geht der Teil, der diesen Schwellenwert überschreitet, also im Prinzip verloren. Damit dies vermieden wird, können Sie diesen Überschuss auf die darauffolgenden Jahre übertragen.

Beispiel

Sie haben im Jahr 2011 eine Investition in Höhe von 10.000 Euro getätigt. Diese berechtigt zu einer Steuersenkung in Höhe von 40 % der getätigten Kosten, was 4.000 Euro entspricht. Der Grenzbetrag für 2011 betrug jedoch 2.830 Euro. Sie verfügen demnach über einen 'Überschuss' bzw. Steuerkredit in Höhe von 1.170 Euro, den Sie in Ihrer Erklärung im Jahr 2012 (für die Einnahmen von 2011) nicht nutzen können. Diese 1.170 Euro verwenden Sie daraufhin als Steuerermäßigung in der Erklärung von 2013 für Ihr Einkommen von 2012.

Wann kann der 'Überschuss' übertragen werden?

Der Überschuss kann auf die drei steuerpflichtigen Zeiträume übertragen werden, die auf den Zeitraum folgen, in welchem die Investitionen tatsächlich getätigt wurden. Natürlich darf auch in den darauffolgenden Jahren der Grenzbetrag nicht überschritten werden.
Die Möglichkeit zur Übertragung der Überschüsse der Steuerermäßigung ist an die Bedingung geknüpft, dass die Investitionen sich auf Arbeiten an einer Wohnung beziehen, die mindestens fünf Jahre vor dem Beginn der Arbeiten bezogen wurde.

Wie wird die Fünfjahresfrist berechnet?

Ursprünglich ging die Verwaltung davon aus, dass diese Frist auf den Tag genau berechnet werden musste. In einem neuen Rundschreiben vom 24. Februar 2012 wird dieser Standpunkt nuanciert: Es ist schließlich nicht immer einfach, das exakte Datum der ersten Ingebrauchnahme zu bestimmen, z. B. wenn die Ingebrauchnahme allmählich stattfindet. Um Diskussionen zu vermeiden, wird davon ausgegangen, dass die Bedingung erfüllt ist, wenn die Wohnung im Laufe des fünften Kalenderjahrs, das dem Beginn der Arbeiten vorausgeht, zum ersten Mal bezogen wurde. Das Finanzamt schließt sich damit der Toleranz an, die auch in Bezug auf die Mehrwertsteuer angewandt wird.

Beispiel

Sie haben Ihre Wohnung zum ersten Mal im Oktober 2005 in Gebrauch genommen. Im Jahr 2010 tätigten Sie eine Investition in Solarzellen, die für die Steuersenkung in Betracht kommen. Die Arbeiten sind am 12. April 2010 begonnen worden. Sie beglichen die entsprechende Rechnung im Lauf des Monats Juni desselben Jahres. Von Tag zu Tag sind also zwischen der Ingebrauchnahme des Hauses und dem Beginn der Arbeiten weniger als fünf Jahre vergangen (Oktober 2005 bis April 2010). Auf Basis der früheren Verwaltungspraxis hatten Sie kein Recht, den Überschuss zu übertragen. Durch die neue Toleranz wird dagegen davon ausgegangen, dass die Bedingungen erfüllt sind: Die Ingebrauchnahme fand schließlich im Laufe des fünften Kalenderjahrs statt, das dem Beginn der Arbeiten vorangeht (das Jahr 2005). Das exakte Datum während dieses Jahres spielt keine Rolle mehr. Eine Übertragung ist also möglich.

Folgen für die bereits erteilten Steuerbescheide von 2011

Wir nehmen das obige Beispiel als Ausgangspunkt. Angenommen, Sie waren aufgrund der früheren Verwaltungspraxis zu der Schlussfolgerung gekommen, dass Sie den 'Überschuss' nicht auf ein folgendes Jahr übertragen konnten. Sie haben deshalb beim Ausfüllen Ihrer Erklärung im Jahr 2011 den Überschuss nicht berücksichtigt. In diesem Fall gibt es gute Nachrichten für Sie: Sie können dies jetzt berichtigen und nachträglich vom Überschuss der Steuerermäßigung profitieren.

Sie haben zwei Möglichkeiten:

Sie können eine Beschwerde gegen den erteilten Steuerbescheid für das Jahr einreichen, in welchem Sie (unberechtigterweise) die Steuerermäßigung nicht übertragen haben. Dazu haben Sie eine Frist von sechs Monaten ab dem dritten Tag, der auf das Versanddatum des Steuerbescheids folgt.

Sie können eine 'Aufhebung von Amts wegen' des für das Jahr 2011 (Ihr Einkommen von 2010) erteilten Steuerbescheids beantragen. Der neue Standpunkt der Verwaltung ist schließlich eine 'neue Tatsache'.

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