< Zurück zur Übersicht

Regeln zur Fälligkeit der Mehrwertsteuer

Regeln zur Fälligkeit der Mehrwertsteuer

Als mehrwertsteuerpflichtige (r) Selbstständiger oder Gesellschaft müssen Sie monatlich oder vierteljährlich die Mehrwertsteuer, die Sie von Ihren Kunden erhalten haben und die Sie selbst gezahlt haben, abziehen.  Aus diesem Grund ist es wichtig zu wissen wann die Mehrwertsteuer fällig ist. Ist sie zu dem Zeitpunkt zu zahlen, wo Sie eine Vorauszahlung erhalten, eine Rechnung erstellen oder wenn der Kunde bezahlt? Wir betrachten die Frage vom Standpunkt des Lieferanten bzw. Dienstleistungserbringers.

Zahlung, Rechnung, Besteuerungsgrund

Zwischen 2013 und 2015 war die Fälligkeit von Mehrwertsteuer vor allem mit dem Zeitpunkt verknüpft, zu dem die Besteuerung veranlasst wurde. Das ist im Prinzip der Zeitpunkt, wo Sie die Ware liefern oder die Dienstleistung erbringen. (Wir lassen die Fälle der innergemeinschaftlichen Lieferungen, der Fälle von Erwerb und Einfuhr beiseite).

Seit dem 1. Januar 2016 ist die Fälligkeit entweder von der Rechnung oder der Zahlung abhängig.  Das Datum des Besteuerungsgrundes ist noch nur maßgeblich für das Datum, an dem die Rechnung im Prinzip ausgestellt werden muss. Darum ist es wichtig, dass Sie das Lieferdatum der Waren bzw. der Dienstleistungen auf der Rechnung angeben (wenn dieses Datum nicht mit dem Datum der Inrechnungstellung übereinstimmt).

Inländische Warenlieferung

Im Fall einer inländischen Warenlieferung ist die Eigenschaft des Kunden ausschlaggebend.

In einer B2B-Situation (der Käufer ist eine steuerpflichtige oder eine nicht-steuerpflichtige Rechtsperson) müssen Sie im Prinzip eine Rechnung ausstellen. Der Zeitpunkt der Fälligkeit wird sodann in der Praxis mit der Ausstellung der Rechnung und dem Eingang der Rechnung festgelegt. Anders gesagt die Mehrwertsteuer wird an dem Datum fällig, wo die zwingende Rechnung ausgestellt wird, es sei denn der Kunde hat im Voraus bezahlt.
Wenn Sie die obligatorische Rechnung nicht oder verspätet ausstellen, ist die Steuer am fünfzehnten Tag des Monats fällig, der auf den Monat folgt, in dem der Besteuerungsgrund stattgefunden hat. In der Tat ist das derselbe Zeitpunkt, zu dem die Frist der Inrechnungstellung verstreicht.
Zahlt der Kunde vor der Lieferung, ist der Zeitpunkt zu dem die Zahlung bei Ihnen eingegangen ist, für die Einforderbarkeit der Mehrwertsteuer ausschlaggebend. Im Fall einer Barzahlung ist das jedoch der Zeitpunkt der Zahlung, doch bei Mahlzeitschecks zum Beispiel, ist das der Zeitpunkt, wo Sie als Händler Ihr Geld bekommen.

Bei B2C-Situationen mit obligatorischer Inrechnungstellung gelten dieselben Regeln wie bei der B2B-Situation, wobei Sie freiwillig in Rechnung stellen und die Mehrwertsteuer bei der Bezahlung fällig wird, sogar wenn sie eine Rechnung für noch nicht bezahlte Beträge (dies entspricht der Einkassierungsregelung) ausstellen. Die freiwillige Aufstellung einer Rechnung bietet an sich keinen Grund zur Fälligkeit von Mehrwertsteuer. Die Verwaltung aber akzeptiert, dass Sie pragmatisch vorgehen möchten und Sie doch das Datum der Rechnung nehmen, um festzulegen, wann Sie die Mehrwertsteuer in Ihrer Erklärung aufnehmen müssen.
Wenn Sie nicht in Rechnung stellen (weil Sie dazu nicht verpflichtet sind, was in B2C-Situationen eher selten ist), gilt auch die Einkassierungsregelung, d. h. die für den erhaltenen Betrag fällige Mehrwertsteuer wird zu dem Zeitpunkt fällig, wo die Zahlung eingeht.

Dann gibt es noch die B2G-Situation (business to government), d. h. bei dem Kunden handelt es sich um eine öffentlich-rechtliche Körperschaft. Obwohl Sie immer eine Rechnung aufstellen müssen, ist die Mehrwertsteuer zum erhaltenen Betrag zu dem Zeitpunkt fällig, zu dem die Zahlung ganz oder teilweise bei Ihnen eingeht. Für diese Regel gibt es wohl einige Ausnahmen (so beispielsweise die Lieferung von Neubauten).

Dienstleistungen

Für Dienstleistungen gelten im Wesentlichen dieselben Regeln. Das Datum der Rechnung entspricht dem Datum der Fälligkeit der Mehrwertsteuer, es sei denn eine Zahlung ist früher eingegangen.
Bei Dienstleistungen kommt es jedoch häufiger vor, dass aufeinanderfolgende Abrechnungen oder Zahlungen erfolgen. Wir denken da konkret an fortlaufende Dienstleistungen, wie zum Beispiel die Arbeit eines Buchhalters. In diesem Fall werden Sie vielleicht nicht je Dienstleistung, sondern eher in regelmäßigen Zeitabständen in Rechnung stellen.
Der Besteuerungsgrund ergibt sich sodann, wenn der regelmäßig wiederkehrende Zeitraum, auf den die Abrechnung bzw. die Bezahlung sich bezieht, verstrichen ist. Wenn Sie für die Dienstleistungen, die in dem regelmäßig wiederkehrenden Zeitraum geliefert worden sind, eine Rechnung ausstellen bzw. eine Zahlung erhalten, wird die Mehrwertsteuer zu diesem Zeitpunkt fällig.

Weitere Tätigkeiten

Wenn Sie Waren einführen, wird die Mehrwertsteuer zu dem Zeitpunkt fällig, wo die Zollschuld entsteht. Das trifft eher auf den Sonderfall zu, wo Sie Waren verzollen.
Wenn Sie innergemeinschaftliche Dienstleistungen liefern, wird die Mehrwertsteuer zu dem Zeitpunkt fällig, zu dem die Dienstleistung erbracht wird bzw. zu dem Zeitpunkt, wo der Preis oder ein Teil davon eingeht und wenn diese Zahlung denn erfolgt, bevor die Dienstleistung erbracht wird.

Das sind viele Vorschriften, doch sie sind wichtig. Die Fälligkeit der Mehrwertsteuer legt den Zeitpunkt fest, zu dem Sie die Erbringung in der Mehrwertsteuer -Erklärung angeben müssen. Wenn Sie Privatpersonen Waren oder Dienstleistungen liefern und Sie nicht verpflichtet sind eine Rechnung aufzustellen, ist der Rechnungsbetrag in den meisten Fällen bereits bei Ihnen eingegangen, bevor Sie selbst die Mehrwertsteuer weiterleiten müssen. Doch wenn Sie eine Rechnung aufstellen müssen (der Kunde ist zum Beispiel selbst mehrwertsteuerpflichtig), kann es passieren, dass Sie die Mehrwertsteuer zahlen müssen, obschon der Rechnungsbetrag bei Ihnen noch nicht eingegangen ist.

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies.
Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung